03.01.2019 | Stolpersteine vermeiden

Optik – Wie Ihre besten Texte noch besser werden

Was ist wichtiger, Inhalt oder Form? Lassen Sie sich bei Ihren Texten nicht auf ein Entweder-Oder ein. Nutzen Sie beides für Ihren Erfolg. Denn: Wenn Ihr Text visuell gekonnt aufbereitet ist, wirkt er um ein Vielfaches überzeugender. Das Auge isst nicht nur mit. Es trifft auch die Leseentscheidungen Ihrer KundInnen.

Schrecke mich ab – lade mich ein

Viele TextInnen und AutorInnen schreiben hervorragende Texte – die allerdings trotzdem nicht gelesen werden. Das gilt für Bücher ebenso wie für Artikel, für Websites ebenso wie für Broschüren. Der Grund für dieses Scheitern liegt in einem Bereich, der für viele Schreibenden außerhalb ihres Wirkungsfeldes liegt: die optische Aufbereitung des Textes, seine Visualisierung.

Wenn Sie nun an Absätze, Zwischentitel, Hervorhebungen und Listen denken, liegt Sie zwar richtig, aber doch nicht ganz. Denn das sind Möglichkeiten der optischen Gestaltung, die meist sehr wohl bei uns als Schreibende liegen:

  • Absätze sind kurz und unterstützen die Sinnstruktur unseres Textes
  • Zwischentitel sind zahlreich und kitzeln die Lust am Weiterlesen
  • Hervorhebungen unterstreichen Wichtiges und erleichtern dem eiligen Leser den Überblick
  • Listen entwirren Aufzählungen und bringen Abwechslung in den Text

Ob unser so optimierter Text auf unsere LeserInnen optisch abschreckend oder einladend wirkt, liegt darüber hinaus aber an zusätzlichen Faktoren. Sie fallen in den Bereich des Text-Designs – und liegen somit meist in Grafikerhand. Es gibt sogar Grafik-Designer, mit einer Spezialisierung in diesem umfassenden Feld, Typografiker genannt.

Alte Bekannte und scharfe Blicke

Ein Punkt, der für die Lesefreundlichkeit unserer Texte wichtig ist, ist biologisch bedingt: Unser Auge sieht nur in einem kleinen Bereich unseres Gesichtsfeldes wirklich scharf, nämlich innerhalb von 2 Grad. Über diese 2 Grad hinaus bis ca. 90 Grad nehmen wir nur unscharfe, komprimierte Gesamtbilder wahr.

Nun lesen wir nicht, indem das Auge über die Zeile gleitet, sondern indem es mit einer (unbewussten) ruckartigen Bewegung von einem festen (scharfen) Punkt zum nächsten springt. Während des Springens, der Saccade, nehmen wir nichts wahr, im Ruhemoment, der Fixation, „sieht“ das Auge.

Geübte LeserInnen unterscheiden sich von ungeübten nun darin, wie lange sie ein Wort fixieren müssen, um es zu erkennen und innerlich abzugleichen – also seinen Sinn zu erfassen. Je Fixation erfassen wir ca. neun Buchstaben im „scharfen Bereich“– auch abhängig von der Größe der Schrift. Doch als LeserInnen nehmen wir nicht nur scharf wahrgenommene Buchstaben auf.

Je geübter wir als Leser sind, desto leichter können wir auch den unscharf wahrgenommenen Buchstaben Sinn entringen. Wir erkennen die Bilder der Worte wieder – auf Basis früherer Begegnungen. Deshalb ist es für die gute Lesbarkeit von Texten wichtig, den verwendeten Wortschatz auf den Wortschatz der erwarteten LeserInnen abzustimmen. Unsere LeserInnen sollen in unseren Texten auf möglichst viele alte Bekannte treffen. Das erleichtert ihr Lesen enorm.

Zipfelmützen und Oberlängen

Bleiben wir bei den alten Bekannten. Sie kennen das: Ob wir alten Bekannten wiedererkennen, liegt zu einem guten Teil daran, ob sie in vertrautem Stil auftreten. Neue Frisur und ungewohntes Kleid – schon erkennen Sie die langjährige Sekretärin Ihrer Geschäftspartnerin im Café am Eck nicht wieder. Wintermantel und Zipfelmütze beim Spaziergang am Wochenende – nun haben Sie praktisch keine Chance.

Mit Worten ist es ähnlich. Es kann vorkommen, dass wir sie zwar kennen, aber wir erkennen sie nicht. Zumindest nicht so schnell, wie es ein müheloses Lesen erfordert. Denken Sie an Handschriften, die Sie in alten Dokumenten und Briefen finden.

Auch bei Druckschriften können wir leicht lesbare und schwer lesbare unterscheiden. Typografen wissen ein Lied davon zu singen. Dieses Lied erzählt zum Beispiel von „Ober- und Unterlängen“ – übersetzt: Wie weit greifen Buchstaben wie t, b, k, d, h… in der Zeile nach oben und wie weit greifen j, g, y nach unten.

Sind die Ober- und Unterlängen bei einer Schrift nur schwach ausgeprägt, ist sie schwer zu lesen. Weil wir das an sich vertraute Wortbild weniger schnell erkennen. Es trägt Zipfelmütze und ein neues Kleid. Das ist der Grund warum Texte, die in Großbuchstaben geschrieben sind, schwer zu lesen sind. Uns fehlen die markanten Erkennungshilfen, die Ober- und Unterlängen bieten.

Nachtlektüre und Zeilensprünge

Wie schnell und mühelos wir Texte lesen, hängt auch davon ab, wie schnell und fließend unser Blick von Wort zu Wort bzw. von Wortgruppe zu Wortgruppe springt. Das kennen Sie vom Krimi im Bett: Sie möchten von einer Zeile in die nächste, stellen aber fest, da war ich schon – oder Sie haben eine ausgelassen. Bei der Gute-Nacht-Lektüre liegt das meist an der Müdigkeit Ihrer Augen. Sind Ihre Augen nicht müde, sind die Zeilenabstände eines Textes falsch gewählt. Es wird für Ihren Blick schwierig, innerhalb der Zeile linear zu springen, weil der weiße Raum, der durch den Zeilenabstand geschaffen wird, Sie dabei nicht ausreichend unterstützt.

Ebenfalls schwierig: Die Länge der Zeilen ist nicht gut eingestellt. Es strengt uns an, den Blick über eine zu lange Distanz in einer Zeile zu halten. Je kürzer die Zeile, desto leichter lesbar ist der Text – mit einer klaren Grenze: wird die Zeile so kurz, dass nur noch drei oder vier Wörter in die Zeile passen, muss das Auge zu oft nach unten springen. Auch das ermüdet – und nervt. Meist ohne, dass wir als LererInnen den Grund dafür benennen können.

Zusätzlich verschärft wird die Anstrengung unserer Augen, wenn die Abstände zwischen Buchstaben und Wörtern zu groß oder klein ausfallen. Das ist Ihnen von Texten bekannt, die Sie in Ihrem Schreibprogramm in Blocksatz formatieren, ohne einen Ausgleich durch ein gutes, automatisches Trennprogramm. Es entstehen große, ungleichmäßige Lücken. Das schaut nicht nur unvorteilhaft aus, es erschwert die Lesbarkeit Ihrer Texte enorm, weil wir auch hier das an sich vertraute Wortbild nicht klar erkennen.

Rosa Hemden und schicke Texte

Die visuelle Gestaltung von Texten kann mehr, als seine Lesefreundlichkeit zu unterstützen. So vermittelt die Art der Schrift, in der Ihr Text gesetzt ist, einen Stil. Sie kennen das aus der Schriftenauswahl in Ihrem Schreibprogramm. Einige Schriften wirken recht neutral und damit sachlich. Andere fallen auf, da sie seltener in Verwendung sind. Bei einigen Schriften haben Sie spontan das Gefühl: „Passt nicht zu mir“ – oder zum Inhalt Ihres Textes. Ab und an sind Sie vielleicht experimentierfreudig und wählen eine der ungewöhnlicheren Schrifttypen. Oder aber Sie fühlen sich von den Möglichkeiten der Gestaltung überfordert und überlassen sie einem Profi.

Grafik-Designer sind Stylisten. Als diese verändern sie zwar nicht den Inhalt ihres Textes, sie entscheiden aber darüber, wie er wahrgenommen wird. Ihre Grafikerin/Ihr Grafiker kann Ihren Text laut oder leise wirken lassen, nüchtern oder verspielt, souverän oder naiv, locker oder streng … Wie ihr/ihm das gelingt, erkennen Sie, wenn Sie wiederum an Kleidung denken.

Ihr Finanzberater trägt seit neuestem Hemden in Pastelltönen, statt klassisches Weiß? Figurbetonte Sakkos, statt dem locker fallenden Schnitt? Cognacfarbene Loafers, statt den schwarzen Schnürern? Auch die Krawatten sind irgendwie ganz anders … Ändern wir unsere Kleidung, werden wir anders wahrgenommen. Unser „Style“ wird interpretiert. Das gilt auch für Ihre Texte.

Ihr Grafiker „zieht Ihren Text an“, kleidet ihn ein. Dafür nutzt er Schriftarten, Schriftkombinationen, Auszeichnungen, Ausrichtung, Spaltenanzahl, Zeilenbreite, Zeilenabstand, Farbe, leere Flächen …

Klare Prioritäten und Funktion, Funktion, Funktion

Als versierter Textgestalter orientieren sich Grafiker nicht ausschließlich an Moden, Zeitgeist und Geschmack. Gut ist nicht, was gut gefällt. Gut ist, was funktioniert. Klar ausgerichtet an den Prioritäten, die für Sie die wichtigsten sind.

Um im Kleider-Bild zu bleiben: Egal, ob Sie die Farbe Rot mögen oder nicht, ob Ihnen enge Hosen besser stehen oder weite, ob Ihnen Schulterpolster schmeicheln oder die Dinger nichts Gutes für Ihre Proportionen tun – wenn Sie in die Berge gehen, brauchen Sie andere Kleidung als für die Oper. Für Ihren Urlaub auf der schönen Insel andere als für Ihren Termin im Vorstandsbüro. Funktion. Funktion, Funktion. Bei Ihrer Kleidung und bei Ihren Texten.

Überlegen Sie vor der grafischen Gestaltung:

  • Welche Aufgabe hat mein Text?
  • Wie tickt meine Leserschaft?
  • Welche Botschaft soll meine Leser erreichen?
  • Welcher Stil passt zu meiner Branche, welcher zu meinem professionellen Profil?
  • Und vor allem: Wie wird die Lesefreundlichkeit meines Textes in diesem Rahmen maximal unterstützt?

Easy to deal with und: Her mit den Häppchen!

Der letzte Punkt der oberen Aufzählung ist besonders wichtig. Denn Sie möchten mit Ihren Marketing-Texten eine zentrale Botschaft vermitteln. Diese Botschaft lautet: Mit mir ist es einfach! Denn Kunden suchen immer eine einfache Lösung für ihre Herausforderungen und Probleme. Deshalb muss Ihr Text immer eines sein: einfach zu lesen! Wie Sie erfahren haben, kann Ihr Grafiker dafür vieles tun.

Lassen Sie ihn wissen, dass Sie sich diese Unterstützung wünschen. Lassen Sie dabei durchklingen, dass Sie wissen, dass Zeilenlängen, Zeilenabstände … eine wichtige Rolle spielen. Das gilt für Folder, Kundenbriefe, Websites, Broschüren – für jede Art von schriftlicher Kommunikation mit Ihren Kunden. Bitten Sie ihn im Zweifelsfall um mehrere Varianten des Textes, mit jeweils unterschiedlichen Einstellungen von Textbreite, Schriftgröße, Zeilenabstand …

Je länger ihr Text ist, desto wichtiger ist es, die passenden Einstellungen zu finden, denn desto größer ist die Rolle der visuellen Leseunterstützung. Klar. Wir alle entscheiden unbewusst sehr schnell, ob ein Text uns abschreckt oder einlädt. Noch bevor wir den ersten Absatz gelesen haben. Unsere Augen suchen nach einladenden Häppchen. Finden sie diese, dürfen es auch mehrere appetitliche Häppchen sein. Schaut lecker aus! Also nur her damit.

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen!