10.12.2015 | Werkzeugkasten

Unser berufliches Ich und die 3 Ps

Das Thema Positionierung hat viele Aspekte. Für viele Selbstständige ist es eine besonders harte Nuss. Es ist klar: Wollen wir erfolgreich sein, gilt es unser Können und Wissen für andere sichtbar zu machen. Doch genau das fühlt sich oft so schwierig an.

Gängige Empfehlungen können einem ganz schön zusetzen: „das Ich zur Marke machen“, „ein Image kreieren und pflegen“ … Häufig schüchtern solche Marketing-Ansagen mehr ein, als dass sie helfen. Lassen Sie sich bei Ihren Überlegungen von einem praktisches Tool unterstützen: von den drei Ps. 

Warum ist es verunsichernd, unser berufliches Ich zu zeigen?

Vielen Selbstständigen geht es so, dass sie sich regelrecht zerrissen fühlen, wenn es ums Sichtbarwerden und um Positionierung geht. Ich kann mich selber gut an dieses Gefühl erinnern. Wir wissen, wir haben viel zu bieten – warum ist es trotzdem so verunsichernd, „die Bühne zu betreten“?

Meist treffen drei Gründe zusammen:

  • Wir alle haben viele Facetten. Es fällt uns schwer, uns vorzustellen, wie wir daraus ein schlüssiges Bild kreieren können. Wohin mit den Widersprüchlichkeiten, die jede Persönlichkeit und jede Biografie in sich tragen?
  • Wir treten vor ein Publikum, von dem wir uns Anerkennung wünschen – und nicht nur das. Es geht dabei um unsere finanzielle Existenz. Da kann es schon schwer fallen, locker und unabhängig „man selbst“ zu bleiben.
  • Wir sind nicht alleine auf der Welt. Familie, Freunde, KollegInnen, Grafiker, Fotografen, Webdesigner, Texter – jede/r hat eine andere Sicht, einen anderen Rat. Welche Perspektive ist richtig und wichtig?

Irgendwann schwirrt einem der Kopf. Meist dann, wenn es konkret wird, wenn wir (endlich) unsere Website in Angriff nehmen.

Wenn Sie einen so schwirrenden Kopf auf Ihren Schultern tragen, hilft Ihnen das Tool der 3 Ps. Sie lernen sich besser kennen und finden heraus, welche Punkte für Ihre Positionierung wichtig sind. Schauen wir uns das an.

Die drei Aspekte unseres beruflichen Ich

Profession, Professionalität, Persönlichkeit. Jeder der drei Begriffe steht für einen Aspekt unseres beruflichen Ich, den wir uns bewusst machen sollen. Denn aus ihnen setzt sich zusammen, was wir zu bieten haben und im Marketing-Sprech „Image“ oder „Marke“ nennen.

 

Profession

Der augenfälligste Faktor, der unser berufliches Ich ausmacht, ist das, was wir tun. Das Paket unserer Fähigkeiten, von dem andere profitieren, unser Wissen und Können – denn das hat nicht jede/r. All die Griffe und Kniffe, die uns zur Expertin/zum Experten unseres Faches machen. Hier wird unser Handwerk sichtbar: Tischler, Ärztin, Friseur, Unternehmensberaterin, Fitness-Trainer …

Gleichzeitig steckt hier auch der Nutzen, den wir unseren Kunden bieten.

Eine Physiotherapeutin trägt zur Schmerzfreiheit, Beweglichkeit und Entspannung ihrer KundInnen bei und gibt ihnen Lebensqualität zurück.

Unsere Profession ist der zentrale Aspekt unseres beruflichen Ich, den wir unbedingt gut sichtbar machen müssen. Wir möchten ja, dass unsere Kunden mit einem Blick auf unsere Website erkennen, in welchem „Genre“ wir spielen.

Stellen Sie sich das so vor: Wenn Sie Orangensaft verkaufen, möchten Sie zwar, dass Ihre Verpackung neben anderen Orangensäften auffällt. Sie möchten aber nicht, dass sie für eine Milchpackung gehalten wird.

Sie können Ihre Profession in Bildern (Fotos, Illustrationen) und Texten verdeutlichen:

  • Ergebnisse und Auswirkungen Ihrer Arbeit und Leistung (Nutzen, Produkte, Kundenaussagen, Fallstudien)
  • Einblicke in Ihre berufliche Welt (Aufgabenstellung, Arbeitssituation, Arbeitskleidung, Büro, Werkbank, Werkstatt…)
  • Symbole Ihrer Branche (Schlüsselbilder, Embleme, Jargon …)

 

Professionalität

Hier wird sichtbar: Ich bin Profi auf meinem Feld. Ich kenne meine Branche – und: Ich kann mich realistisch einordnen. Ich weiß, in welcher „Liga“ ich mitspielen kann. Bildlich gesprochen: Regionalliga, Bundesliga, Europameisterschaft, Olympia?

Fragen Sie sich: Für welchen Level qualifizieren mich meine Fähigkeiten, meine Erfahrungen, meine Kräfte, meine Einsatzbereitschaft, meine Ambitionen?

Hier ist Ehrlichkeit mit sich selbst gefragt. Bluffen zahlt sich nicht aus. Nicht nur, weil es anstrengend ist, zu große Versprechungen einzulösen. Es besteht auch die Gefahr, Kunden abzuschrecken. Und das wird gerne übersehen: Nicht jede Aufgabe erfordert Höchstleistungen. Kunden suchen Anbieter, die zu ihnen, ihren Anforderungen und zu ihren Budgets passen. In alle Richtungen. Deshalb sollten Sie auch nicht den Fehler machen, sich geringer einzuschätzen, als Sie einzuordnen sind – auch das irritiert. Und auch das wirkt unprofessionell.

Zielen Sie auf Kunden, die ihrer „Liga“ entsprechen. Mit der Zeit wird sich diese Zielgruppe vielleicht verändern. Und das ist gut so. Für Ihren Erfolg ist es wichtig, dass Sie jetzt eine realistische Einschätzung von sich und Ihren Kunden haben – denn das macht einen Profi aus.

Ein kleiner Trick, mit dem es klappt: Überlegen sie nicht, für wen sie arbeiten möchten. Überlegen Sie:

  • Welche Anforderungen möchte ich nicht erfüllen müssen?
  • Was traue ich mir derzeit in meinem Fach (noch) nicht zu?
  • Mit welchen Leuten (AuftraggeberInnen, KollegInnen) möchte ich es nicht zu tun haben (weil sie mich verunsichern).

So finden Sie Ihren Level. Und den lassen sie ganz bewusst in Ihre Selbstpräsentation einfließen.

Dafür können Sie eine „feine Klinge“ nutzen: Sie stimmen Design, Fotos, Inhalte und Texte entsprechend ab. Wer sich als Home Interior Experte für die Upper Class positionieren möchte, muss auf die entsprechende Qualität der Fotos auf seiner/ihrer Website achten. Wer Business Coaching für Konzernmanager anbietet, sollte erkennen lassen, dass er/sie den Alltag und die Herausforderungen der Konzernwelt kennt. Wer günstige Unterstützung bei Gartenarbeiten anbietet, braucht keine Website, die einen Landschaftsarchitekten vermuten lässt. – Sie verstehen, worauf ich ziele.

Es ist verführerisch, den Auftritt der „Großen“ nachzuahmen. – Aber passt er wirklich zu Ihnen? Und passt er zu Ihren KundInnen? Gleichzeitig: Wird Ihr Auftritt der Liga, in der Sie spielen möchten, tatsächlich gerecht?

Durch diese Überlegungen und geduldige Recherche bekommen Sie ein feines Gespür für die Welt, in der Sie sich bewähren möchten. Das wird Ihrem Auftritt sehr zugutekommen.

 

Persönlichkeit

Hier kommt das Unverwechselbare ins Spiel: Wir als Person. Besonders bei EinzelunternehmerInnen ist der Mensch hinter der Leistung entscheidend dafür, mit wem wir schließlich ins Tun kommen. Sympathie ist ein Faktor des Erfolges, den wir nicht übersehen sollten.

Dabei ist wichtig, den Unterschied zwischen persönlich und privat in Erinnerung zu behalten.

Persönlichkeit zu zeigen bedeutet nicht zwingend, intime Einblicke ins Private zu geben.

Es geht vielmehr darum, unsere grundsätzliche Art zu zeigen, wie wir an Dinge (und das Leben) heran- und mit ihnen umgehen.

Zum Beispiel:

  • Ihre Liebe zum Detail
  • Ihre auffallende Verlässlichkeit und Gründlichkeit
  • Ihre Affinität zu den wenig beschrittenen Pfaden, zum Ungewöhnlichen, zum Nicht-Konventionellen
  • vielleicht gehören Sie zu den Menschen, die immer wissen, was gerade angesagt ist, die Trends lieben und leben …

Auf der Ebene „Persönlichkeit“ wird erkennbar, was uns wichtig ist und zugleich leicht fällt. Das zeigt sich im Alltag und im privaten Umfeld, lässt sich aber auf eine allgemeinere Ebene heben.

Dabei kann es hilfreich sein, daran zu denken, welche Stärken Freunde und KollegInnen an uns besonders bestechend finden – um daraus anschließend jene auszuwählen, die uns besonders freuen, weil wir diese Stärken selber als besondere Vorzüge sehen.

Ein rundum rundes Bild

Alle Punkte, die Sie bei Ihren Recherchen und Ihrer Selbstbeforschung gefunden haben, fließt nun in Ihren Auftritt ein. Besonders schön: Das 3-P-Tool ermöglicht es, auch scheinbare Widersprüche zu integrieren.

Ein Beispiel. Georg, der Steuerberater, sieht sich als einen, der ganz und gar nicht dem Klischeebild des kühlen Rechners entspricht, das ihm immer wieder als Vorurteil begegnet. Gleichzeitig:

  • Als Profi weiß Georg, welche Stärken von seiner Profession erwartet werden – und natürlich erfüllt er sie auch: verlässlich, zahlenaffin, gründlich, termingenau, immer am aktuellen Stand der Gesetzeslage.
  • Dass er zugleich ein Mensch ist, der die genussvolle Seite des Leben kennt und liebt – und sich diese auch leisten kann und will –, wird zwischen den Zeilen spürbar: Sein Logo besticht durch seine gelungene Gestaltung, die Visitenkarten zeichnen sich durch ihre feine Haptik aus.
  • Die Gestaltung seiner Website mit den Fotos aus seiner „Werkstatt“ lassen erkennen, dass in seiner Kanzlei eine wunderbare Mischung zuhause ist: Die konzentrierten Sachlichkeit eines glasklar denkenden Kopfs, kombiniert mit einem feinen Sinn für zwischenmenschliche Wärme und angenehme Atmosphäre.
  • Ein Blick auf das sympathische Foto, das ihn homorvoll im Kreis seines Teams zeigt, verstärkt diesen Eindruck.
  • Die selbstverständliche Ordnung, die ebenfalls aus den Bildern „spricht“, zeigt wiederum: Georgs KlientInnen dürfen stets mit der in seiner Branche unabdingbaren Präzession rechnen.

Sie sehen, was ich mit „feiner Klinge“ im Auftritt meine.

Ihre Selbstpräsentation ist so viel mehr als das Offensichtliche! Sie haben viele Möglichkeiten, mit Details und Wirkung alles rüberzubringen, was Sie ausmacht.

Das fühlt sich dann auch richtig an und: Es gibt Rückenwind.

Das perfektes Fundament für Ihr Marketing

Wenn Sie an Ihrer Positionierung arbeiten, betrachten Sie Ihr berufliches Ich aus der 3-P-Perspektive:

  • Profession: Was ist mein Handwerk?
  • Professionalität: In welcher Liga spiele ich?
  • Persönlichkeit: Was macht mich als Person aus, die hier am Werke ist?

Lassen Sie die Aspekte, auf die Sie stoßen, in Ihren Auftritt einfließen. Sie werden viel Freude an Ihrem Auftritt haben!