12.05.2018 | Tipps und Tricks

So spinnen Sie den perfekten roten Faden

Wollen wir überzeugen, braucht unsere Botschaft Struktur: Den berühmten roten Faden, dem unsere Gegenüber folgen können. Nur so finden sie den Weg durch unsere Gedanken. Doch damit nicht genug: Wir müssen unser Publikum auch bei Laune halten. Denn: Der rote Faden kann ja auch schnurstracks in die Langeweile führen. – Aber natürlich geht es auch anderes. Und es gelingt leichter, als Sie denken. Hier finden Sie die Schritte, mit denen es klappt.

Sinn im Kopf – Strudel am Papier

Fehlt einer Präsentation die klare Struktur, fehlt unseren ZuhörInnen der Durchblick. Das passiert leichter, als wir gerne denken. Denn selber haben wir den Sinn ja im Kopf. Sprudeln wir aber einfach darauf los, gehen unsere Gegenüber verloren. Sie verlaufen sich. Und finden nie zum Schatz unserer großartigen Gedanken.

Ebenfalls ein Zeichen, dass der rote Faden fehlt: Wir sitzen an einem Text und er will uns einfach nicht gelingen. Das Thema vor uns. Und wir haben auch richtig viel zu sagen. Doch das Schreiben wird zur Qual: Zeile. Löschen. Absatz. Löschen. Nochmal. Löschen. Wir kommen einfach nicht voran.

Gliedern. Lieber nicht?

Der Tipp „immer erst eine Gliederung entwerfen“ – weil es damit sooo viel leichter geht – ist alt. Und wird praktisch immer verworfen. Sich DAMIT auch noch aufzuhalten! Da verlässt einen doch gleich der Biss. Und der Mut vielleicht gleich dazu.

Die nachfolgende Rezeptur wird Ihnen auch helfen, wenn Sie keine schriftliche Gliederung entwerfen wollen. Denn: Sie öffnen einen neuen Blick auf Ihr Wissen. Ihr Fokus wird auf den Nutzen der Inhalte gelenkt, die Sie präsentieren möchten. Und schon geht es um vieles leichter.

Legen wir los!

Logik. Und Pfeffer!

Sinn erschließt sich durch Logik. Daher: Wenn Sie nach einer sinnvollen Struktur für Ihre Inhalte suchen, suchen Sie nach ihr: nach der Logik, die in Ihrem Wissen steckt. Denn in ihr wohnt auch die Überzeugungskraft, die Ihre Botschaft entfalten will.

Eine augenfällige Logik ist Chronologie: Zuerst geschah dieses, darauf folgte das. Und dann …

Oh je! Sie kennen das. Und auch was folgt: unmittelbare Einschlafgefahr. Jede Präsentation, die mit der chronologischen Geschichte des Unternehmens beginnt, ist eine Drohung: Spannender wird es auch nachher nicht mehr. Es fehlt der Pfeffer.

Höhen, Tiefen, Ecken, Kanten

Haben Sie schon einmal überlegt, was Hintergrundmusik zu Hintergrundmusik macht? Es ist ihre Gleichförmigkeit. Sie plätschert dahin. Töne und Sequenzen bewegen sich in einer Bandbreite, die eng gehalten ist. Wenig Höhen, wenig Tiefen, keine akustischen Ecken, keine Kanten.

Kraftvolle Energie aber, lebt von Spannung. Es ist diese Spannung, die Sie zusätzlichzur Logik in Ihre Botschaft bringen wollen. Sie ist der Pfeffer, der vor der Fadesse lauer Inhalte schützt. Spannung entsteht aus Kontrasten. Und in Kontrasten liegt Logik. Denn Kontraste stehen immer in einem eindeutigen Zusammenhang.

Schwuppdiwupp! Schon ist beides, wo es sein soll: in Ihrer Präsentation.

Drama, Baby!

Jede gute Geschichte, jeder Film, jeder Roman lebt von der Wirkung von Kontrasten. Denn wir können uns ihr nur schwer entziehen.

Denn unser Leben als Mensch ist von Kontrasten geprägt und von Kontrasten umgeben:

Liebe und Hass, Freiheit und Zwang, Leben und Tod. Und: Wahrheit/Lüge, Feigheit/Mut, Betrug/Treue, Dummheit/Weisheit, Stärke/Schwäche, Aufregung/Langeweile. Und das alles zwischen Himmel und Erde, Tag und Nacht, Berg und Tal.

Dazwischen liegen 1000 Schattierungen. Unausweichlich. Immer. Doch im Kontrast der Pole liegt die Faszination. Diese Faszination wollen Sie sich zu Nutze machen.

Zugleich müssen Sie sich freilich in die Schuhe Ihres Publikums stellen. Daher erzählen Sie nicht von Sonne und Mond. Sie haben im Auge, was für Ihre Gegenüber wichtig ist. Das gelingt, indem Sie sich auf die Kontraste konzentrieren, die im Business-Kontext besonders gut funktionieren.

4 Rezepte fürs Gelingen

Sie erinnern sich, da waren wir schon: Sie können Ihren Inhalt chronologisch ordnen. Nachdem Sie aber jetzt die Wirkung von Kontrasten kennen, tun Sie das, indem Sie eine andere – kontrastreiche – Logik zu Hilfe nehmen:

Roter Faden 1:

Vorher – Nachher

„1 x 1,5 Meter. Die Größe einer Abstellkammer. Unser erstes Lager. 7 Jahre lang. Nichts hat vermuten lassen, dass uns unserer Weg im Jahr 8 (!) nach unserer Gründung zur einer Wende führen würde – und in eine völlig neue Dimension: … (hier kommen die inzwischen GROSSEN Zahlen über Lagerhalle, Mitarbeiter, Fuhrpark, Maschinenraum …). Doch schauen wir heute aus der Adlerperspektive auf 50 Jahre Wegstrecke zurück, erkennen wir: Es war nicht nur eine, es waren vier Weggabelungen, die wohl entscheidend waren für diesen unerwarteten Erfolg: …“

Roter Faden 2:

Problem – Lösung

Man würde meinen, es ist augenfällig, doch zu oft ist es das nicht: das Problem. Zumindest nicht in seiner vollen Schärfe, seiner Bedeutung, seiner umfassenden Dimension. Diese Vielschichtigkeit entgeht der Aufmerksamkeit zu oft. Dabei ist sie es, die zu unerwarteten und kostspieligen Konsequenzen führen kann. (Drama, Baby!). Das unterscheidet Sie als ExpertIn von Laien: Als ExpertIn kennen Sie alle Dimensionen des Problems – und seine Lösung. Und die Schritte, die dafür zu setzen sind. Überschätzen Sie das Problembewusstsein von Laien nicht! Stellen Sie Problem und Lösung deutlich gegenüber. Denn nur so erkennt Ihr Publikum Bedarf, Sinn und Wert der Veränderung.

Roter Faden 3:

Vorteil – Nachteil

Gut und Böse ist der enorm wirkungsvolle Kontrast in Oper, Märchen und Sage. Die Kategorien, die wir in unserem Alltag für unsere Entscheidungen nutzen, liegen auf dieser Skala der Bewertung. Unterstützen Sie Ihr Gegenüber dabei, die zwei Seiten der Medaille zu erkennen und gegeneinander abzuwägen: Stellen Sie Ihre Erkenntnis, Ihre Idee, Ihr Angebot den Alternativen gegenüber, die es zu überwinden gilt. Benennen Sie dabei in aller Deutlichkeit warum. Wir Menschen sind nur begrenzt bereit, Nachteile in Kauf zu nehmen. Wir möchten, dass die Vorteile überwiegen. Helfen Sie Ihren Gegenübern am Weg zur Erkenntnis!

Roter Faden 4:

Ursache – Wirkung

Kennen Sie den Spruch: „Fehlt die Information, folgt die Interpretation“. Menschen möchten Zusammenhänge verstehen. Doch das ist nicht immer leicht. Oft fehlen wichtige Puzzleteile, damit sich ein schlüssiges Bild ergibt. Dann „reimen wir uns etwas zusammen“. Denn wir möchten dem Gefühl entgehen, das ungelöste Widersprüche in uns bewirken. Deshalb schätzen wir es, wenn jemand Licht in unser Dunkel bringt. Unser Gehirn ist so gebaut: Es schenkt uns Glückshormone, wenn wir von Unklarheit zu Klarheit finden. Als ExpertIn kennen Sie Zusammenhänge, die sich ohne Ihr Wissen, nicht entschlüsseln. Teilen Sie diese Einsichten. Verhelfen Sie Ihren Gegenübern zum schönen Erlebnis des „Aha!“.

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen und: viel Spaß!!